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Volkswagen Classic Parts
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Als der neue Golf zum Alt-Auto wurde - Ein Interview mit Otmar Alt


Sondermodelle spielten beim Golf immer eine große Rolle. Viele sind uns in Erinnerung geblieben, aber eines besticht durch besondere Kreativität: Zum Ende der Produktionszeit des Golf 3 bat Volkswagen den international bekannten Künstler Otmar Alt, eine Sonderserie zu designen und ihm die typische Alt-Handschrift mit den bunten Motiven zu geben. So entstand der Golf "Otmar Alt" - limitiert auf 1000 Exemplare, mit einer exklusiven Innenausstattung und vielen Extras.
Rund 20 Jahre danach trafen wir Otmar Alt zum Interview in der Stiftung AutoMuseum Volkswagen, wo natürlich ein Golf aus der "Otmar Alt" Edition ausgestellt ist. 

Herr Alt, vor 20 Jahren durften Sie als erster Künstler überhaupt ein Volkswagen Sondermodell gestalten. Wie kam es dazu?
Naja, ich hatte schon länger einen guten Kontakt zu Volkswagen durch Herrn Günter Lamprecht und bei den vielen Begegnungen und Gesprächen kam es damals zu der Idee, mit mir ein Sondermodell zu kreieren. Die sagten sich: „Warum machen wir nicht mal mit dem Alt einen Golf?“ - und so kam es zu dem Entwurf, der heute hier im AutoMuseum steht. Für die Serie wurde das Modell dann noch etwas abgespeckt und den Produktionsbedingungen angepasst. Für mich war das sehr aufregend, weil ich ja schon als junger Mann Volkswagen fuhr und nun ein Modell für diese Firma gestalten durfte. Ich kannte natürlich schon einige Golf Sondermodelle und da machte es richtig Spaß, etwas ganz anderes zu machen.

Warum sollte es ausgerechnet ein Golf werden und nicht ein „exklusiveres“ Modell?
Der Golf war ja ein aktuelles Modell und sehr beliebt, so wie er es heute noch ist. Zwar stand der Golf 3 kurz vor dem Auslauf und der Vierer bereits in den Startlöchern, aber genau das war dann der Reiz diesen Wagen zum Abschied noch mal richtig schön zu gestalten. Zu der Zeit war ja der Golf schon ein recht exklusives Auto, gar nicht zu vergleichen mit der ersten Golf Generation. Der von mir gemachte Golf hatte ja immerhin schon Servo, Zentralverriegelung oder elektrische Fensterheber.

Wie groß war die Herausforderung, aus dem „Allerweltsauto“ Golf ein Kunstwerk zu machen?
Der Gedanke daran war anfangs natürlich schon eine riesige Herausforderung. Aber etwas zu dekorieren oder zu verschönern, das kannte ich ja schon von meiner Tätigkeit als Dekorateur. Ich habe mal Schaufensterdekorateur und Plakatmaler gelernt und insofern war es für mich kein befremdliches Projekt. Wir haben damals die Filmplakate gemalt, die ja alle noch mit der Hand gezeichnet wurden. Somit konnte ich diese Erfahrungen in die Arbeit am Golf mit einbeziehen. Natürlich habe ich mich lange mit dem Golf beschäftigt, die Formen und Kanten, das Innenleben und die Materialien studiert. All das waren hervorragende Arbeitsflächen für mich.  

Hatten Sie bei der Gestaltung freie Hand oder gab es Restriktionen? Konnten bzw. durften Sie all Ihre Ideen verwirklichen?
Bei den ersten Besprechungen gab es natürlich Vorgaben und Hinweise von Volkswagen, aber im Grunde wurde mir freie Hand gelassen. Natürlich wollte das Marketing mitsprechen, aber wir sind uns schnell einig geworden und meine Vorstellungen wurden alle angenommen. Wenn man mit der Industrie zusammen arbeitet, muss es auch immer menschlich zugehen im Umgang und das war bei Volkswagen stets der Fall. Wir Künstler sind ja oft ich-bezogene Menschen und leben in unserer eigenen Welt, aber man findet da immer einen Bezug oder Kompromiss. Ich habe jahrelang für Rosenthal als freier Mitarbeiter gearbeitet. Da habe ich viel gelernt und konnte davon einiges in meine spätere Arbeit mit einfließen lassen, so auch in die Arbeit an "meinem" Golf.

Hatten Sie in der Entstehungsphase ein Büro oder Atelier in Wolfsburg?
Ich habe eigentlich alles von zuhause aus meinen Räumlichkeiten entwickelt und bearbeitet. Bei Volkswagen Coaching in Wolfsburg hatte ich einen eigenen Raum und ich war auch oft tagelang hier für die Arbeit am Golf. Ich wurde bei Volkswagen immer gut behandelt und habe mich durchaus wohl gefühlt. Günter Lamprecht von Volkswagen hat mich in der Zeit davor und bis heute bestens begleitet.

Können Sie sich an Schwierigkeiten oder kuriose Situationen in der Entstehungsphase erinnern?
Eigentlich nicht. Es war ringsum ein tolles Paket. Alles hat gut geklappt und mir wurde von allen gut  zugearbeitet. Bis heute pflege ich eine gute Freundschaft zu Volkswagen in Wolfsburg. Schließlich ging es darum, ein schönes Modell auf den Markt zu bringen und einen Höhepunkt zum Produktionsende des Golf 3 zu setzen.

Nur 1.000 Golf „Otmar Alt“ wurden im Jahr 1997 gebaut. Hand auf’s Herz: wann haben Sie den letzten gesehen? Hatten oder haben Sie gar selbst einen?
Vor drei Wochen habe ich einen auf der Straße fahren sehen und es gibt einige Fans, die sich sehr um diese Modelle kümmern. Dann und wann besuchen mich auch Besitzer eines Alt-Golfs auf einen Tee in meiner Stiftung und dann ist die Wiedersehensfreude natürlich auch bei mir groß. Einige der jetzigen Fahrer waren ja noch nicht mal geboren, als der Wagen auf den Markt kam! Die wollen natürlich alles wissen über das Auto und die Entstehung des Sondermodells. Über solche Besuche freue ich mich immer und die Fahrzeuge dann in einem so guten Sammlerzustand zu treffen finde ich großartig. Ich selber besitze tatsächlich noch zwei Exemplare, die wir in der Stiftung auch täglich nutzen. Sehr zuverlässige und einfach schöne Autos. Meine Mitarbeiter fahren gerne damit und das ist ja auch ein „Eye-catcher“ in unserer Gegend um Hamm. Zu meinen Terminen lasse ich mich auch immer mit dem Golf fahren, da ich mich selber nicht mehr ans Steuer setze. Als der Wagen auf den Markt kam, hatte ich natürlich auch einen nagelneuen, den ich viel und gerne gefahren bin und nun zusammen mit dem anderen Exemplar hier hüte.

Wie fühlt es sich an, zwei Jahrzehnte später hier im AutoMuseum neben „Ihrem“ Golf zu stehen?
Das hat mich echt umgeworfen, weil ich mich an genau dieses Modell gar nicht mehr erinnern konnte. Das hier ausgestellte Fahrzeug unterscheidet sich ja etwas von den späteren Serienmodellen. Nach diesem Entwurf wurde noch einiges stark reduziert und für die Produktionsabläufe angepasst. Für mich ein absolutes Highlight meiner Reise nach Wolfsburg! Dass er jetzt in einem Museum steht, ist schon seltsam. Das Ganze kommt mir noch gar nicht so lange vor, aber es ist jetzt tatsächlich schon 20 Jahre her!  

Was schätzen Sie, wie viele Golf „Otmar Alt“ derzeit im Internet angeboten werden und zu welchen Preisen?
Ich denke, schon so drei oder vier? Vor einigen Wochen hat mich ein Golf-Alt Besitzer besucht, der hatte den Wagen komplett restauriert. Er fragte, ob ich den Wagen signieren könnte und das habe ich sehr gerne getan. Der war ganz stolz auf sein Auto und wird den sicherlich noch lange fahren. (Aktuell werden übrigens 5 Stück im Netz angeboten!)

Stimmt eigentlich die Legende, dass jeder Käufer eines Golf „Otmar Alt“ ein handsigniertes Zertifikat erhielt?
Ja, das stimmt. Das habe ich auch gerne getan, weil es ja zum Gesamtkonzept gehörte. Am Armaturenbrett war ja auch eine kleine Plakette mit laufender Nummer angebracht. Dadurch war jeder Golf ein Unikat.

Schwarz dominiert das Sondermodell außen und innen. War das Ihr Wunsch oder eine Vorgabe von Volkswagen?
Das war eine Vorgabe von Volkswagen und mir spielte das in die Karten, da sich ja meine Arbeiten, die zumeist bunt sind, auf schwarz bestens darstellen lassen. Bei anderen Lackierungen hätte ich ganz anders arbeiten müssen und völlig neue Motive und vor allem Farben wählen müssen. Die bunten Sitze sind ein herrlicher Kontrast zum schwarz.

Die Insignien des Golf „Otmar Alt“ gab es natürlich auch bei Volkswagen als Ersatzteil. Die meisten, etwa die Aufkleber, waren allerdings schon nach kurzer Zeit vergriffen. Einzig den Schaltnauf hatten wir einmal im Original Volkswagen Classic Parts Sortiment, aber auch er ist seit einigen Jahren ausverkauft. Was halten Sie von einer Neuauflage der speziellen „Otmar Alt“-Teile?
Das wäre eine ganz tolle Sache! Wie schon gesagt, es gibt noch etliche Liebhaber, die sich genau um diesen Golf kümmern und die würden sich sicherlich sehr freuen, Neufertigungen für den Golf Otmar Alt zu bekommen. Einige meiner Besucher mit diesem Fahrzeug hatten sogar schon danach gefragt und sich so etwas sehr gewünscht. Bei einer Restaurierung wären solche neuen Teile sehr hilfreich.    

Würden Sie heute nochmal ein Auto für Volkswagen verschönern?
Jederzeit! Mir machen solche Projekte wirklich Spaß, da ich ein sehr neugieriger Mensch bin. Speziell das Auto ist ein Thema, mit dem man eine breite Masse an Menschen erreichen und begeistern kann. Sowas ist auch immer ein Abendteuer, weila man ja etwas ganz Neues kreieren darf und nie weiß, ob man den Geschmack der Kunden trifft. Es könnte auch ein anderes Modell sein, etwa der Bulli oder der Beetle.

Wenn Sie an Ihre persönlichen Anfänge mit Volkswagen zurückdenken: Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihren Käfer denken?
Zuerst daran, dass er sehr langsam war. Vorbesitzer war die Firma SINGER und die hatten etwas in den Wagen eingebaut, um die Leistung zu drosseln und somit fuhr der Wagen nur 75 km/h, bis ich ihn dann mal in eine Werkstatt gegeben habe und ihn ohne diese Sperre zurückbekam. Ich glaube, dann schaffte er Tempo 105. Damals hätte ich mir ja nie träumen lassen, dass ich eines Tages mal ein Fahrzeug für Volkswagen verschönern darf.  Wir Künstler haben in unserer Studentenzeit oft an unseren eigenen Käfern gearbeitet und sie umgestaltet. Ich hatte einen Standard-Käfer, der nicht immer leicht zu fahren war. Aber er war stets zuverlässig und hat mich überall hingebracht!